Es schwammen ein paar Fässer
Erinnerungen zum 125. Jubiläum im Jahr 2023
Angefangen hat alles mit ein paar Fässern, auf denen ein Bootshaus schwamm. Das war 1936. Das Bootshaus gehörte zur Mainzer Rudergesellschaft von 1902 – die mit der Mainzer Ruder-Gesellschaft von heute bis auf die Sportart und die Erinnerungen nichts mehr gemein hat. Mittlerweile residieren wir seit rund 60 Jahren auf der Ingelheimer Aue, also sechs Kilometer flussabwärts. Wir begehen unser 125. Jubiläum und sind in den letzten Zügen von Sanierung und Anbau unseres Bootshauses.
Das “alte“ Bootshaus entsprach nicht mehr unseren und auch nicht mehr den gesellschaftlichen Ansprüchen. In vielen lebhaften Diskussionen im Verein war klar geworden: So, wie es ist, kann es nicht bleiben. Allein nur die Substanz des Gebäudes. Die ist nach 60 Jahren sanierungsbedürftig. Das gilt in gleichem Maße für die technische Einrichtung.
Dann hat sich das Rudern in den vergangenen Jahrzehnten von einem Männersport hin zu einer Sportart entwickelt, die Frauen und Männer gleichermaßen begeistert. In der Zwischenzeit sind über 42 Prozent der Mitglieder weiblich, die Tendenz steigt. Die räumlichen Gegebenheiten, insbesondere die Umkleiden und die sanitären Einrichtungen, haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Die Damenumkleiden waren, gemessen am Anteil weiblicher Aktiver, längst zu klein .
Aber auch insgesamt ist die MRG in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Seit 2005 hat sich die Zahl der Mitglieder um 30 Prozent von 175 auf 230 Mitglieder erhöht (Stand März 2023). Auch im Bootsbau hat in den letzten Jahren immer mehr Technik Einzug gehalten. Anstelle von Holz werden moderne, jedoch empfindliche Materialen und Verbundstoffe eingesetzt. Dieses und die intensive Nutzung der Boote erfordern eine regelmäßige Wartung, für die ein getrennter Werkstattraum erforderlich ist. Immer noch aber müssen Reparaturarbeiten zwischen den gelagerten Booten ausgeführt werden.
Und dann der Kraftraum! Rudern hat sich vom reinen Männer-Kraftsport zu einem athletischen Leistungssport und einer gesundheitsfördernden Breitensportart entwickelt. Daher ist neben dem Training auf dem Wasser ein ergänzendes Kraft-, Konditions- und Koordinationstraining notwendig, nicht zuletzt als Wintertraining für ambitionierte Sportler. Bisher war unser Trainingsbereich in einem Durchgangsraum ohne ausreichende Lüftung und Heizung untergebracht – eine dauernde Notlösung. Dauernd? Eher nicht!
Eine vom Verein einberufene “Bootshausgruppe”, in der sich Ingenieure, Heizungs-, Klima- und Sanitärfachleute sowie Leute, die sich mit Finanzen auskennen, sammelten, entwickelte drei Konzepte zur Neugestaltung des Bootshauses:
- Aufstockung der bestehenden Bootshalle
- Neubau auf dem Bootsplatz anstelle der Garage
- Anbau auf der Wiese am Eingang zum Bootshaus
Am Ende stand unsere einstimmige Entscheidung für die Lösung 3. Nun entsteht also neben unserem historischen Bootshaus ein Neubau. Der nimmt uns Wiese, bringt uns aber eine Werkstatt und einen – endlich – ordentlichen, echten Trainingsraum.
In unserem Bautagebuch können unsere Mitglieder die gesamte Bauphase nachvollziehen.
Die Geschichte der MRG
Für unsere Ahnen war ein eigenes Bootshaus nur ein ferner Traum. Die hatten nicht mal eigene Boote. Aber Idealismus, Unternehmergeist und das, was man damals – wir befinden uns in den 1880er Jahren – eisernen Willen nannte. Der war nötig, denn Rudern war in jener Zeit den gehobenen Ständen vorbehalten.

Rudern zum Zweck der Fortbewegung eines Bootes gibt es schon seit über 2.000 Jahren. Das kann man in Mainz hautnah erleben an den Römerschiffen, die Anfang der 1980er-Jahre hier gefunden wurden und im Museum für Antike Schifffahrt aufgestellt sind. Rudern im Sinne des Sports, wie wir ihn heute verstehen, gibt es in Deutschland seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Aus England kamen die Anregungen. Dort gab es damals schon Wettkämpfe.
Englische Kaufleute, die beruflich im Ausland, vornehmlich in Hamburg, zu tun hatten, brachten ihren Spirit mit auf den Kontinent, gründeten den ersten Ruderverein auf deutschem Boden und nannten ihn “English- Rowing-Club”. Der erste deutsche Verein war dann 1836 der “Hamburger Ruder-Club”.
Es dauerte aber noch 29 Jahre, bis der Rudersport auch im Binnenland Fuß fasste. 1865 wurden der Frankfurter Ruderverein, der Ludwigshafener Ruderverein und 1869 die Frankfurter Rudergesellschaft “Germania” gegründet. Gibt es in Deutschland von etwas mehr als zwei, wird ein Verband gegründet. In rascher Folge waren überall im Land Rudervereine und Ruderriegen entstanden, und so wurde am 18. März 1883 der Deutsche Ruderverband gegründet. Das war schon allein deshalb zu begrüßen, weil es bis dahin keine einheitlichen Regeln gab, jeder Verein für die von ihm veranstaltete Wettfahrt beliebige, weit voneinander abweichende Bedingungen festsetzen konnte.
Weit schlimmer für vor allem die norddeutschen Vereine aber war offenbar, dass sich Rudern zu einem Sport für Jedermann zu entwickeln drohte. Also setzten die Norddeutschen im Ruderverband die “Amateurbestimmung” durch. Die legte fest, dass zu Wettfahrten nur solche Mitglieder der Verbandsvereine zugelassen waren, die „ihren Lebensunterhalt nicht mit ihrer Hände Arbeit verdienen“ und auch „keine Tätigkeiten ausüben, die in der Öffentlichkeit als solche eines Arbeiters“ erschien. Eine Begriffsdefinierung, die auf der Meinung aufgebaut war, dass das Rudern ein Sport sei, der nur den höheren, bemittelten Kreisen reserviert bleiben müsse, während die mit ihren Händen arbeitende (also: arme) Bevölkerung daran keinen Anteil haben solle.
Das grenzte die Zahl der Rudernden massiv ein. Aber weil schon die Menschen im 19. Jahrhundert begehrenswerter fanden, was ihnen verwehrt wurde, blieb die Ruderei nicht lange ein White-Collar-Sport. In Mainz hatte das mit dem Mainzer Ruderverein von 1878 zu tun. Der fuhr in den 1890er Jahren bedeutende Erfolge ein, und die weckten das Interesse auch in den Arbeiterkreisen, also in denjenigen Kreisen, die auf Grund der Amateurbestimmung des Deutschen Ruderverbandes von der wettkampfmäßigen Ausübung des Rudersports ausgeschlossen waren. Man wollte rudern auf alle Fälle, und bald bildeten sich kleine Klubs, bald schossen sie wie Pilze aus dem Boden. Es gab die “Favoriten”, die “Moguntia”, die “Borussen”, den “Sturmvogel” und und und. Allerdings waren diese Klubs kleine Fische, denn an die Beschaffung von Bootsmaterial oder gar eigenen Bootshäusern, wie sie in den Vereinen des Deutschen Ruderverbandes üblich waren, war gar nicht zu denken. Aber es gab in Mainz zwei Bootsverleihanstalten, bei denen sich die Vereine die Boote gleich auf einen Monat mieteten. Und dann dauerte es nicht mehr lange, bis auch diese Vereine untereinander Wettkämpfe ausfuhren, bis die Wettkämpfe immer neue Vereine einbanden und weite Kreise zogen.
Drei Vereine – unsere Vorgänger
Die Mainzer Ruder-Gesellschaft von 1898 schummelt in ihrem Vereinsnamen ein klitzeklein bisschen. Es handelt sich bei ihr nicht um einen Verein, der 1898 gegründet worden ist. Die MRG ist ein Zusammenschluss dreier Mainzer Rudervereine, von denen einer tatsächlich 1898 gegründet wurde, der aber nicht Mainzer Ruder-Gesellschaft hieß.
Am 21. Januar 1898 wurde der Mainzer Ruderklub “Fortuna” im Kirschgarten bei Gastwirt Jungfermann gegründet. Am 1. September 1902 wurde die Mainzer Ruder-Gesellschaft 02 gegründet. Die Geburtsstunde des Mainzer Ruderclubs 03 schlug im Jahre 1903 in dem Lokal “Gärtnereck”, Große Bleiche, Gastwirt König.
Die Mitglieder setzten sich aus Arbeitern, kleinen Geschäftsleuten und Angestellten zusammen. Bei denen saß naturgemäß das Geld nicht so locker, entsprechend schwer taten sich die Vereine, teure Boote zu beschaffen. Man begnügte sich mit gebrauchtem Material, das man sich bei Vereinen des Deutschen Ruderverbandes besorgte.
Damit war es nicht getan. Ob gebraucht oder neu, die Boote mussten vernünftig und wetterfest gelagert werden. Ein Bootshaus aber war nicht zu finanzieren. So wich man auf schwimmende Bootshäuser aus. Die Fortuna baute ihres 1902 im Winterhafen, der Club 03 zog im Jahr 1905 nach. In direkter Nachbarschaft hatte auch die Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902 ihr auf Fässern schwimmendes Bootshaus errichtet – eine alte Rheinmühle. Aber mehr als diese Nachbarschaft verband die MRG 02 nicht mit Fortuna und Club; sie wurde Mitglied im Deutschen Ruderverband und ruderte ihrer eigenen Wege – noch mehr als 50 Jahre lang.
Der erste Weltkrieg warf die Vereine zurück auf beinahe Null. Die Fortuna konnte sich danach als erster Verein berappeln und nahm viele 03-Mitglieder, deren Haus und Boote vernichtet waren, bei sich auf. Diese machten den Namen des Vereins in der Folge über die Stadtgrenzen durch viele Siege, besonders in erstklassigen Rennen, bekannt. Mitte der 1920er-Jahre hatten sich beide Vereine erholt und jeweils stattliche Bootshäuser am Winterhafen gebaut.
In dieser Zeit erwachte in der benachbarten Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902 das Interesse am Tourenrudern oder, wie wir heute sagen, Wanderrudern. In der Festschrift “25 Jahre MRG 02” hieß es damals: „Besondere Erwähnung verdient hier eine am ersten Pfingstfeiertag von den Herren Richard Rieger, Wilhelm Schmitt, Karl Greulich, Hans Lind, Heini Schumacher (Steuer) unternommene Fahrt nach Koblenz. In einem Tage diese 102 Kilometer lange und schwierige, auch an die Steuerkunst durch das gefürchtete Binger Loch hohe Anforderung stellende Fahrt zeugt von Energie und sportlichem Geist. Die Vierer-Mannschaft legte bei dem uns befreundeten “R.C. Rhenania” Koblenz an, wo sie gastfreundlichste Aufnahme und vorzügliche nächtliche Unterkunft nach des Tages Freuden und Mühen fand. Herzlichsten Dank den Koblenzer “Rhenanen”, die unsere Herren zur Heimfahrt zum Köln-Düsseldorfer Boot begleiteten.“
Nach der Machtuübernahme der Nationalsozialisten 1935 wurden die Vereine und der Deutsche Wassersportverband, in dem sich mittlerweile der Norddeutsche, der Mitteldeutsche und der Süddeutsche Ruderverband zusammengeschlossen hatten, gleichgeschaltet. Alle Wassersport treibenden Verbände Deutschlands waren aufgefordert, sich in Berlin dem neuen Deutschen Wassersportverband anzuschließen. Diesem Zusammenschluss durfte sich niemand widersetzen. Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Ruderns kreuzten jetzt die Arbeiterhände aus den kleinen Mainzer Vereinen die Ruderblätter mit denen des Deutschen Ruderverbandes.
Die Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902 verließ in jener Zeit ihr Gelände am Winterhafen. Am 2. Mai 1936 zogen fünf Mitglieder im Schleppzug mit Bootshaus, Motorbootlager und zwei Pritschen innerhalb von drei Stunden in den Floßhafen nahe der Mainzer Neustadt. Eine gute Entscheidung. Das Vereinsleben war beinahe zum Erliegen gekommen. Seit der Staat ab 1935 die körperliche Ertüchtigung in Bahnen gelenkt hatte, die auf internationale Siege zielte, waren die engagierten Tourenruderer in der MRG 02 ausgebootet. Wirtschaftliche Unzulänglichkeiten wie Arbeitslosigkeit taten ihr Übriges. Das änderte sich nun mit dem Umzug in den Floßhafen. Eine Damen-Abteilung wurde gegründet. Die dortigen guten Wasserverhältnisse reizten zu Tagesfahrten um die Inseln und zu den stromab liegenden Orten.
Der Zweite Weltkrieg warf alle Aufbaubemühungen zurück. Quasi als Zusammenfassung all des Elends in den Jahren 1939 bis 1945 wurden am 24. Februar 1945, also kurz vor dem Ende des Weltkrieges, die Bootshäuser beider Vereine durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Grundmauern zerstört. Die Vereine mussten sich neu orientieren, Fortuna 98 und Club 03 beschlossen, gemeinsam ein Verein zu werden.
Bei der Gründerversammlung am 3. Oktober 1950 wurde der Vorstand gewählt, der eine Satzung ausarbeitete, und am 20. Dezember 1950 – bis dahin waren noch bürokratische Hemmnisse für den Zusammenschluss aus dem Weg zu räumen – war der “Mainzer Ruderclub 1898 e.V.” gegründet. Der Satzungsentwurf und die Skizze einer neuen Vereinsflagge wurden einstimmig angenommen. Die Aufnahme in den Deutschen Ruderverband erfolgte im Juni 1951 und in den Sportbund Rheinhessen im August 1951.
Zwei Jahre dauerte es, bis der neue Verein auf dem Platz des ehemaligen MRK Fortuna 98, auf dem die französische Strompolizei jetzt eine Garage unterhielt, ein neues Vereinsheim errichten konnte. Im August 1953 wurde das Gelände geräumt und dem Verein unter günstigen Bedingungen seitens der Stadtverwaltung in Erbpacht auf die Dauer von 99 Jahren überlassen .
Stromabwärts war die Mainzer Ruder-Gesellschaft 1902 mit dem Bau eines Vereinsheims auf festem Boden beschäftigt sowie mit dem Aufbau einer Rennrudertruppe. Damit war die Ruder-Gesellschaft auf einem guten Weg, die Mitglieder fühlten sich wieder mit ihrer Ruder-Gesellschaft verbunden und gaben auch als Schlachtenbummler den Aktiven zu Regatten den entsprechenden Rückhalt.
Fotos 1958 – 1971
Dann aber kündigte die Stadt 1960 kurzfristig den Pachtvertrag für das Bootshaus. Die Firma Hakle bekam das Gebäude, und die MRG 1902 stand ohne Bootshaus da. Die Stadt bot auch nur eine geringe Abfindung für das Bootshaus, die bei weitem nicht ausreichte, um ein adäquates Haus auf dem angebotenen Erbpachtgelände Gaßnerallee 93 (heutiges Grundstück) zu errichten.
In jenen Jahren kam es in der Ruder-Gesellschaft 02 zu personellen Schwierigkeiten. Es fehlten geeignete Mitarbeiter für den Vorstand und die notwendigen Aufgaben in einem Verein. Die für derartige Ämter prädestinierte Altersgruppe fehlte, weil die Mitglieder außerhalb ihres Vereins – das unterscheidet sich nicht vom Vereinsleben heute – auch noch ein Privatleben hatten.
In dieser Situation besann sich die MRG ihrer früheren Nachbarn Fortuna 98 und Club 03 im Winterhafen, die mittlerweile zum Mainzer Ruderclub 1898 fusioniert waren. Denn auch die steckten in Schwierigkeiten, knabberten an Zwängen des Wirtschaftswunders. Im Winterhafen und vor allem auf dem oberen Rheinabschnitt hatte die Berufsschifffahrt massiv zugenommen. Das behinderte den dortigen Sportbetrieb. 1960 traten beide Vereine in Verhandlungen über eine Fusion ein.
Aufgrund der besseren Wasserverhältnisse am unteren Rheinstück auf der Wachsbleiche und dem damaligen Floßhafen, der heute Mainzer Industriehafen heißt, wurden die Pläne für ein neues Bootshaus auf dieses Gebiet ausgerichtet.
Als man sich über alle formellen Angelegenheiten grundsätzlich geeinigt hatte, begannen die Verhandlungen über das bebaubare Erbpachtgrundstück mit der Stadt. Letztendlich wurde das Grundstück in der Größe von rund 1.600 Quadratmeter für 49 Jahre in Erbpacht (die mittlerweile verlängert worden ist) zur Verfügung gestellt. Der Bau über eine Fläche von 580 Quadratmeter und einem Volumen von circa 2.000 Kubikmeter wurde genehmigt und die Arbeiten konnten beginnen. Hauptsächlich aus Geldmangel wurden viele Arbeiten – von den Fundamenten bis zum Rohbau – von den Mitgliedern in Eigenleistung erbracht. Die Rennruderer mussten im Rahmen ihres Trainings jedes Mal eine Stunde am Bau arbeiten, bevor sie aufs Wasser durften.
Fotos 1972 – 1973
Die endgültige Vereinigung zur Mainzer Ruder-Gesellschaft 1898 erfolgte nach abgeschlossenen Verhandlungen der beiden Vorstände unter Leitung von Heinrich Warnke, MRC 98, und Willi Wührer, MRG 02, am 14. April 1962. Die neue Flagge trägt seitdem die Zahl 98 des Ruderklub Fortuna 98, die Farben Blau-Weiß-Rot der Flagge des Ruder-Club 03 und die Buchstaben der MRG 02. Der Eintritt in den Deutschen Ruder-Verband (DRV) erfolgte im gleichen Jahr.
Durch die Fusion gehörten der Mainzer Ruder-Gesellschaft 1898 mehr als 300 Mitglieder an. Aus den Rennruderern der beiden Vereine bildete sich eine schlagkräftige Truppe, die in den höchsten Leistungsklassen mitreden konnte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bis heute mit dem Rennsport der MRG verbunden sind die Namen von zum Beispiel Annemarie Vanvor, Albert Pfeifer, Ingrid Stahl, Heiko Schneiders, Horst Schliebs, Helmut Weishaupt, Dieter Annecke, Wolfgang Perske, Fred Hofmann, Regine Adam, Willi Wenz, Udo Hennig, Klaus Opitz, Karl Schiffer, Reinhold Baumann, Wolfgang Gummersbach, Barbara Uhlenbruck, Albert Hedderich oder Udo Hild.
Fotos 1974 – 1975
Anfang der 1960er-Jahre konnte der Trainer mit Mitteln planen, die dank der Mitgliederbeiträge und vor allem aus der Verpachtung des Bootshauses am Winterhafen regelmäßig vorhanden waren. Trotz der Belastungen durch die Kredite für den Neubau konnte man von einer ausgezeichneten Entwicklung sprechen.
Und dann stieß 1965 die Rudersparte des ZDF zu dem Verein auf der Ingelheimer Aue. Das Begehr der Männer vom Lerchenberg war zuerst abschlägig beschieden worden. Alle Vereine – die ZDFler hatten nicht nur die MRG gefragt – waren in Sorge, dass eine so große Gruppe von 20 Personen einen Verein völlig umkrempeln könnte. Es dauerte Monate, bis die Sorgen ausgeräumt waren und die ZDFler Aufnahme in der MRG fanden. Das wäre nicht weiter erwähnenswert. Aber tatsächlich änderte sich mit dem ZDF in der MRG Entscheidendes.
Als 1964 in den Großbetrieben wie IBM und ZDF Betriebssportvereine gegründet wurden und sich darin auch ehemalige aktive Ruderinnen und Ruderer aus allen Gegenden Deutschlands zu Rudersparten zusammenschlossen, wurde durch diese Interessenten an breitensportlichen Übungen das Wanderrudern in Mainzer Ruderkreisen bekannter. Ende 1965 fanden neun Männer zum ersten Mal in der Geschichte der MRG 98 den Weg über den Hunsrück nach Trier zur Wanderfahrt auf der Mosel. Die Zahl der Anekdoten im Verein schoss in die Höhe, Geschichten von Gig-Booten, die auf Fahrrädern bis zum Hauptbahnhof gerollt wurden, mehrten sich.
Fotos 1976 – 1983
Über die Jahre entwickelten sich Wanderrudern und Breitensport zum zentralen Mosaikstein im Angebot der Mainzer Ruder-Gesellschaft 1898. Der regelmäßige Trainingsbetrieb für Rennruderer fand in den 1990er Jahren keinen Nachwuchs mehr und lief dann eine Zeit lang auf kleiner Flamme. Bis zur Jahrtausendwende Dieter Frankenberger in den Verein kam, das Training der Sportler belebte, was prompt dazu führte, dass die MRG-Athletinnen und Athleten allein 2001 bei 126 Starts auf 22 Regatten 44-mal als Sieger ins Ziel kamen. Dieters Sohn Ulli wurde in den Bundeskader C des DRV berufen und 2005 Weltmeister im U23- Vierer.
In einem Zeitraum von 125 Jahren indes blieb die Ära Frankenberger eine kurze. Berufliche Veränderungen machten es ihm unmöglich, das Training weiterzuführen. Er hörte im Oktober 2002 auf und wir vermachten unsere aktiven Leistungsruderinnen, die wir nicht mehr adäquat betreuen konnten, dem Landesstützpunkt im MRV.
2005 rief Jürgen Werner, damals 1. Vorsitzender der MRG, die “Agenda 210” aus. Die Mitgliederzahlen waren auf 167 gesunken. Jürgen wollte mindestens 210 Mitglieder haben. Dabei half ihm, dass sich um Doris Werner, Christoph Ostertag und Ulrike Jann eine begeisterte Wanderrudertruppe gefunden hatte, die die Tradition von Marianne und Bodo Büsgen auffrischte. 2013 bildete sich eine Gruppe um Jürgen Werner, die sich vornahm, den Rheinmarathon zu erobern, ein 42-Kilometer-Rennen für Gig-Vierer auf dem Rhein zwischen Leverkusen und Düsseldorf. Aus dieser Gruppe entstanden, mal mit, mal ohne Trainer, zwei fixe Trainingstage in der Woche, die immer mehr Aktive anlockten und bis heute ein fester Bestandteil des Ruderkalenders der MRG sind. Die “Agenda 210” wurde mit heute 232 Mitgliedern klar erfüllt. Aber mit Deutschen oder Weltmeisterschaften hatten wir nichts mehr zu tun.
Das änderte sich Anfang der 2020er Jahre, als Peter Plötz mit ambitionierten Jugendlichen in den Trainingsbetrieb einstieg und schnell erste Erfolge vorweisen konnte. Renovierung und Erweiterung des Bootshauses im Jubiläumsjahr sollen auch dieser Entwicklung Tribut zollen. Denn einiges an unserem Bootshaus fehlt ja noch.

Am 2. Dezember 2022 wurde nur der erste Teil des Projekts “Sanierung und Umbau unseres Bootshauses” vorläufig abgeschlossen. Noch waren hier viele Kleinigkeiten zu erledigen. So war eine der Damentoiletten nicht blickdicht, das geforderte Farbleitsystem nicht umgesetzt oder das Wasser in der Küche nicht heiß genug; alles notwendige Dinge, die aber nur im Schatten des zweiten großen Planungsabschnittes stehen.
Auch die Leistungsruderinnen und -ruderer im Verein freuten sich über die neuen Umkleiden und Sanitäranlagen. Nur hatten sie seit einem Jahr keinen Kraftraum mehr. Der war Bestandteil von Planungsabschnitt Zwei: Anbau von Werkstatt und Trainingsbereich auf der Wiese vor dem Eingang des Bootshauses.
Am 15. März 2023 wurde hierfür die letzte noch ausstehende Baugenehmigung erteilt. Die Planungsarbeiten haben begonnen, der Statiker ist beauftragt, diverse Feinplanungen sind erfolgt.
Ist alles fertig, werden wir bei Sturm im Sommer und Dunkelheit im Winter trotzdem aktiv sein und unser Trainingsangebot erweitern können. Neben den besseren Trainingsbedingungen für unsere Leistungssportgruppe wird sich noch genügend Möglichkeit und Zeit finden, andere Mitglieder der MRG zum Sport zu locken. Sei es Seniorengymnastik, Yoga oder Zirkeltraining für den Breitensport, alles wird möglich sein. Wir müssen es nur mit Leben füllen.
Es können dann notwendige Bootsreparaturen unter guten Bedingungen durchgeführt und, was fast noch wichtiger ist, auch einmal ein Boot bereits vor einem Schaden in der neuen Werkstatt überholt werden. “Vorausschauende Instandhaltung” nennen wir das.
Die neuen Räume werden eine sinnvolle Ersatzteilbevorratung gewährleisten. Man wird Werkzeug an dem Platz finden, an dem es zu finden sein soll, und eine Ersatzbeschaffung wird durch den besseren Überblick rechtzeitig möglich sein.
Nach dem Projekt “125 Jahre MRG” mit der Sanierung des alten Bootshauses und dem neuen Anbau ist aber nur vor “Nochmal 125 Jahre MRG”. Es stehen weitere Maßnahmen an, um die MRG für die Zukunft zu rüsten. Das sind große Herausforderungen, die wir gemeinsam bewältigen werden. Vereinsleben besteht aus einem ständigen Geben und Nehmen, aus Rudern und Anpacken. Auf diese Weise werden wir auch die nächsten 125 Jahre …
… rudern in bester Gesellschaft!
Text: Peter Hoffmann, Christoph Hartung, Michael Germann / Fotos: MRG














































































































